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    Facebook Credits und die Auswirkungen auf Social Shopping

    Schon seit einiger Zeit können Anbieter von Social Games über Facebook ihren Kunden Geldbeträge zusätzlich zu Euro oder US-Dollar auch in Facebook Credits in Rechnung stellen. Ab 1. Juli wird die alleinige Nutzung der Facebook-eigenen Währung zur Pflicht. Der folgende Beitrag befasst sich mit der Strategie von Facebook und mit möglichen Auswirkungen auf Nutzer, Unternehmen und der Entwicklung von Social Commerce bzw. Social Shopping im Allgemeinen.

    Milliardenmarkt Social Gaming – 30 Prozent Provision für Facebook

    Browserspieleanbieter wie Zynga (FarmVille, CityVille) oder der europäische Marktführer Bigpoint aus Hamburg generieren den Löwenanteil ihrer Gewinne nicht durch Werbung und nicht (wie vielleicht von vielen befürchtet) durch Weitergabe von Nutzerdaten, sondern durch den Verkauf virtueller Güter. Was vor einigen Jahren noch müde belächelt wurde, ist mittlerweile zum äußerst lukrativen Markt geworden: Ca. 15 Prozent aller Spieler sind mittlerweile immerhin dazu bereit, einige Euros im Monat für Gegenstände auszugeben, die sie ausschließlich in Social Games benutzen können (z.B. ein Pflug für den eigenen Hof auf FarmVille) und die sich sonst spielerisch hätten verdienen müssen. Es wird erwartet, dass diese Zahl weiter steigt. Trotz des kleinen Anteils ein gewaltiger Markt, wenn man die enorme Anzahl von Social Gamern bedenkt: Über die Hälfte aller Facebook-Nutzer, also über 300 Millionen Menschen, spielen mindestens einmal im Monat Social Games, bei Facebook erfolgt jeder zweite Log-In allein zum Spielen. Das Social Gaming Marktvolumen beträgt weltweit 3-6 Milliarden US-Dollar! Der Social Gaming-Trend ist keine Eintagsfliege. Dank des Suchtpotenzials und der starken Viralität der Spiele soll der Social Gaming-Markt in den nächsten Jahren noch deutlich weiter wachsen. Für 2015 wird ein Umsatz von ca. 7 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Mit der Verpflichtung zur Facebook-Währung werden die Spieleanbeiter gleichzeitig dazu verpflichtet, die 30prozentige Provision an Facebook abzutreten.

    Facebook Commerce I: Social Shopping über Facebook

    Social Gaming kann als erster Schritt von Facebook gesehen werden, die hauseigene Währung zu etablieren. Die Möglichkeiten von Facebook Credits im Social Shopping werden für die breite Masse der Nutzer und für Unternehmen, die Waren und Dienstleitungen online anbieten, aber weitaus bedeutsamer werden. Werden die Credits aufgrund der Marktmacht von Facebook zur universellen Internet-Währung? Zu Beginn ist laut Facebook noch keine Bezahlmöglichkeit für physische Güter vorgesehen. Der Erwerb von Eintrittskarten oder anderen Gutscheinen soll dagegen wohl schon bald möglich sein. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis alle Arten von Waren und Dienstleistungen, die über das weltweit größte Social Network erworben werden, auch mit der eigenen Währung bezahlt werden.
    F-Commerce ist zurzeit vielleicht der wichtigste Trend für den Handel. Käufe von Waren und Dienstleistungen direkt über Facebook werden deutlich zunehmen. Auf den Unternehmens-Facebook-Seiten können Shopsysteme integriert werden, die Käufe erlauben, ohne Facebook zu verlassen. Einerseits kommt dies (insbesondere bei den jüngeren Facebook-Mitgliedern) dem Nutzungsverhalten entgegen. Andererseits werden beim Online-Kauf die zu unternehmenden Schritte von der Anzeige bis zum tatsächlichen Kauf minimiert, man spricht vom „Conversion Funnel“. Die Möglichkeit, direkt über Facebook Credits zu bezahlen wäre dem User eine zusätzliche Erleichterung. Werden wie beim Social Gaming bei derartigen Käufen Facebook Credits optional oder obligatorisch? Facebook Deals, die Antwort des Social Media-Giganten auf Groupon und Co., wird ebenfalls ein bestimmendes Thema und ein wichtiger Bestandteil von Facebooks F-Commerce Strategie werden. In der Blogosphäre kursieren Gerüchte, man könne künftig die einzelnen Deals in Facebook Credits bezahlen. Ist dies auch noch nicht bestätigt, erscheint es alles andere als abwegig. Die nähere Betrachtung von Facebook Deals ist jedoch einen eigenen Beitrag wert – halten Sie Ausschau in unserem Blog.

    Facebook Commerce II: Social Shopping außerhalb von Facebook

    Auch wird interessant sein, die Entwicklung bei den Online-Shops außerhalb von Facebook zu beobachten. Bei Amazon erhalten Nutzer schon seit Sommer letzten Jahres Produktempfehlungen auf Basis von „Likes“ des eigenen Freundeskreises (Social Recommendation). Wenn User sich per Facebook Connect registrieren, ist der Schritt zur Bezahlung in Facebook Credits sicherlich nicht weit.
    Facebook Credits können im Prepaid-Verfahren erworben werden. Damit könnten sie die Bereitschaft zu Online-Zahlungen bei den Nutzern steigern, die Hemmungen haben, Kreditkarten-Daten im Internet anzugeben oder die gar keine Kreditkarten besitzen (und so z.B. auch den vielen jüngeren Facebook-Nutzern schnelle Online-Zahlungen ermöglichen). Anbieter wie PayPal können sich auf harten Konkurrenzkampf einrichten.

    Social Shopping ist keinesfalls nur auf Online-Shopping von zu Hause aus begrenzt. Können wir in Zukunft im Cafe um die Ecke, in dem wir heute schon dank der Geolocation Apps unserer Smartphones Rabatte bekommen, auch gleich in Facebook Credits über Near-Field-Communiation (NFC) bezahlen? Können wir beim Kauf von Kleidungsstücken im Warenhaus per Barcode-Scanner im Smartphone in einem Schritt Preise, die Empfehlungen und Produkterfahrungen von Freunden einholen, unsere Größe bestimmen, verfügbare Farben ansehen, den Preis mit anderen Anbietern vergleichen und mit einem Klick unseren individuellen Preis bezahlen? Die Kunden würden von noch größerer Markttransparenz und Zeitersparnis profitieren. Der Handel dürfte sich zumindest über ungekannte Möglichkeiten der zielgruppenspezifischen Preisdiskriminierung und Einsparung von Verkaufspersonalkosten freuen.

    Noch mehr Nutzerdaten für Facebook

    Neben den Einnahmen aus Provisionen eröffnen sich für Facebook viele weitere Vorteile. Künftig können in noch größerem Umfang Nutzerdaten erhoben werden – Daten über das Einkaufsverhalten kommen hinzu. Einerseits hat Facebook damit neue Möglichkeiten, Instrumente zur Kundenbindung einzusetzen, von denen die Social Shopper profitieren dürften, andererseits können Rückschlüsse auf mit dem Einkaufsverhalten verbundene Veränderungen bezüglich Kaufkraft, Werte der Nutzer gezogen werden. Damit verfügt Facebook über eine quantitativ wie qualitativ hohe Menge an Daten, die für Werbetreibende von unermesslichem Wert zur spezifischen Erreichung ihrer Zielgruppen sind.

    Facebook Credits und Datenschutz

    Schon bei bestehenden Bonuskarten wie Payback und Co. wurde in der Vergangenheit der unzureichende Datenschutz kritisiert. Die Facebook Credits markieren einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum „Gläsernen Kunden“. Denn gegenüber den genannten Kundenbindungsprogrammen gewährt der durchschnittliche Facebook-Nutzer neben seinem Einkaufsverhalten und demographischen Daten noch dazu regelmäßig aktualisierte Einblicke über persönliche Interessen und per Facebook-Freundeskreis dies sogar im Kontext seiner sozialen Verbindungen.